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    Gastbeitrag: “Meine Freunde sind Deine Freunde!”

    By Andreas Fritsch | Mai 22, 2010

    Martin Mayrl, studierter Kommunikationswissenschaftler und erfolgreicher Unternehmer, fasst die Medienberichterstattung über facebook in den vergangenen 6 Monaten zusammen – ein Weltkonzern abseits von Hochglanz:

    Die Verfassung der Vereinigten Staaten hat 4.543 Worte. Die Datenschutzrichtlinien von Facebook 6.074 – Tendenz steigend. Was Sie als mündiger Nutzer von Social Networks in Zeiten von “cash for personal data” wissen sollten – und was Ihr “Ja” zu einem ungelesenen Vertrag für Sie persönlich, Ihr Unternehmen und Netzwerk bedeuten kann.

    Wie fühlt man sich, wenn man von heute auf morgen quasi entmündigt wird?
    Vermutlich wie immer. Denn vermutlich wußte man im Februar dieses Jahres nicht, wozu man da als facebook-Nutzer seine Zustimmung gab: mit einem Klick gaben Sie alle Rechte an privaten Bildern, Texten und Videos, die Sie hochladen, ab. Das Profilfoto? Verschmerzbar. Die Fotos vom ersten Geburtstag Ihrer Tochter? Mulmig. Die 800 “Fans” Ihres Unternehmens, denen Sie Gutes tun und darüber auf Facebook reden? Bedenklich.

    Das alles lassen Sie sich nicht gefallen? Lesen Sie die AGB – facebook ist und bleibt alleiniger Eigentümer, selbst wenn Sie Ihre Mitgliedschaft nun beenden.

    Da nutzt es wenig, dass facebook wenige Tage später einlenkte und die Änderungen zurücknahm. Der organisierte Protest zeigte einerseites Wirkung; andererseits, wie wenig der in Summe 175 Mio. Nutzer tatsächlich verstanden hatten, was da passierte. Man wünscht die “digitale Awareness” für seine Person, sein Unternehmen – und hat nur wenig davon für sich selbst über.

    Kein Wunder, bei der Zeit, die es dafür mittlerweile braucht. Die New York Times berichtet am 13. Mai dieses Jahres über mehr als 50 Buttons, die zur Einstellung der Privatsphäre geklickt werden müssen, um die Schoten mehr oder weniger dicht zu machen. Einmal geklickt, ergeben sich in Summe weit über 170 einzelne Optionen, die geklickt werden müssen. Haben Sie die einmal durch, heisst es Puste holen: zu diesem Zeitpunkt werden Teile Ihrer Daten noch immer an Freunde, vor allem aber Werbepartner, weitergegeben. Einstellungen hierzu finden Sie – ein Schelm, wer Böses denkt – an ganz anderer Stelle.

    Die NY Times hat sich die Mühe gemacht, all diese Optionen in Form eines Entscheidungsbaumes darzustellen.

    Als geübter Organigramm-Leser werden Sie sich leicht tun: wir haben es hier mit dem Kaliber eines, nunja, multinationalen Mischkonzerns zu tun.

    Meine Woche auf Facebook

    Fassen wir zusammen: C. freut sich auf den einwöchigen Urlaub, der morgen beginnt. Die Pflanzen werden’s überleben: fürs Giessen hat sich niemand gefunden. H. ist erleichtert: “Der Spuk ist hoffentlich vorbei – mein Ex kommt nicht mehr in meinen Facebook-Zugang rein”. Freude bei Firma V., unserem Mitbewerber: “Mittlerweile haben wir über 800 Fans hier!”. Soviel zu meiner persönlichen Facebook-Woche – Sie verzeihen, wenn ich Ihnen nichts Neues erzähle: als mein “Freund” auf Facebook sehen Sie ja teilweise auch, was meine anderen Freunde so treiben. Soweit, so gut.

    Wollten wir nun den Teufel an die Wand malen, würden wir H. fragen, wie sowas denn möglich sei – und erfahren, dass es dafür umgerechnet EUR 40,- braucht, jedoch keinerlei Computer-Kenntnisse (so H.: “Google einfach Mal – die bieten an, einen Screenshot des gewünschten Maileingangs zu schicken. Du kannst auch ein Testmail an das Account schicken, das Du gehackt haben willst – Sie verschaffen sich Zugang, teilen Dir als Beweis den Inhalt Deines Mails mit, Du bezahlst und bekommst die Zugangsdaten per Mail”. Für besondere Zweifler stehe vorab ein Video auf YouTube bereit, auf dem ein Beispiel im Live-Mitschnitt gegeben wird).

    Wir würden uns vorstellen, wie einfach es wäre – sofern H. Recht hat – an Kundendaten unseres Mitbewerbers zu kommen; und bei genauem Hinsehen erkennen, dass wir ja eigentlich jetzt schon viele Namen (”Fans”, ergo Kunden / Käufer) auf dem Silbertablett haben: als “Fan” sind wir mittendrin in Diskussionen, in denen andere “Fans” Lob und Anregungen zu den vorhandenen Produkten geben.

    Wir würden C., der Urlauberin, einen Artikel der ZEIT als Reiselektüre mitgeben:

    Pleaserobme.com! (Bitte raub mich aus!)” So heißt jedenfalls eine Webseite, die aktuelle Informationen über verlassene Wohnungen und den Aufenthaltsort der Bewohner unter dem ironischen Titel ”Neue Gelegenheiten” auflistet. Die Nachrichten laufen im Sekundentakt ein, nur einbrechen muss der Täter noch selbst.”

    Wir würden C. aber auch beruhigen: die Sache mit der Privatsphäre sei ja auch durchaus sinnvoll. So wie etwa im Fall jenes Einbrechers, der sich nach vollbrachter Tat am Computer der Bestohlenen auf facebook einloggte – und damit eindeutige Spuren hinterliess, die zu seiner umgehenden Festnahme führten.

    weitere Literaturempfehlungen:

    Schirrmacher, Frank (2009): Payback: Warum wir im Informationszeitalter gezwungen sind zu tun, was wir nicht tun wollen, und wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen

    Artikel im Stern

    Artikel in der ZEIT

    Foto Martin Mayrl

    Martin Mayrl

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